glas+rahmen
08.17
verbände
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4 fragen
1. Was war der ausschlaggebende Punkt für
die Erstellung der TR Nr.6?
Ganzglasanlagen und andere Glaskonstruktionen wur-
den bis vor einigen Jahren immer unter dem Gesichts-
punkt der Vier-Meter-Ausnahmeregel errichtet. Die-
se Ausnahme besagte, dass bei Konstruktionen, deren
Oberkanten nicht höher als vier Meter über eine Ver-
kehrsfläche liegen, die Technischen Regeln nicht ange-
wendet werden müssen. Diese Ausnahme wurde mit der
baurechtlichen Einführung der DIN 18008 ersatzlos ge-
strichen. Da diese Norm die Bauart von Ganzglasanla-
gen nur unzureichend beschreibt, insbesondere die üb-
lichen Glasbohrungen und die Anwendung beweglicher
Glaselemente, hat der Wegfall der Vier-Meter-Ausnah-
meregelung zur Folge, dass Ganzglasanlagen einer Zu-
stimmung im Einzelfall bedürfen. Da die Beantragung
einer ZiE ein sehr langwieriges und teures Verfahren ist,
eignet sie sich nicht für Konstruktionen und Bauarten,
die so häufig errichtet werden, wie zum Beispiel Ganz-
glasanlagen.
2. Was beschreibt die TR 6?
Die Technische Richtlinie Nr. 6 beschreibt, wie Ganz-
glasanlagen bisher nach den anerkannten Regeln der
Technik errichtet wurden und welche Möglichkeiten es
dafür gibt. Natürlich können nicht alle Konstruktions-
möglichkeiten aufgezeigt oder neue innovative Techni-
ken beschrieben werden, wohl aber die üblichen Bau-
arten. So bezieht sich die Technische Richtlinie Nr. 6,
in Bezug auf Ausschnitte und Bohrungen, auf die Pro-
duktnorm für Einscheiben-Sicherheitsglas, die DIN EN
12150. Für die Eigenschaften der Punkthalter und der li-
nienförmigen Lagerung wird sich auf die Normenreihe
DIN 18008 bezogen. Der Bezug erfolgt allerdings nicht
vollständig, weil die DIN 18008 nicht die Bohrlochab-
stände zulässt, wie sie für solche Konstruktionen nötig
sind. Da sich die DIN 18008 auf die DIN EN 12150 be-
zieht, wurden die zulässigen Abstände aus dieser Norm
herangezogen. Müssen oder sollen diese Abstände un-
terschritten werden, ist in jedem Fall ein Nachweis zu
führen.
3. Welche Glasarten werden empfohlen?
Über die empfohlenen Glasarten wurde im Arbeitskreis
lange diskutiert, mit dem Ergebnis, dass für monolithi-
sche Glasscheiben nur ESG-H empfohlen wird. Die Wahl
fiel auf ESG-H, weil dieses Produkt gegenüber dem „nor-
malen“ ESG eine weit verminderte Versagenswahrschein-
lichkeit hat. Es gibt auch Stimmen, die sich gegen den
Einsatz von ESG-H aussprechen. Dem steht jedoch das
Argument der Sicherheit entgegen. Kommt es bei Ganz-
glasanlagen, die aus Seitenteilen und einen Oberlicht be-
stehen, zum Glasbruch einer Scheibe, kann die gesamte
Anlage zerstört werden. Um dieses Risiko zu vermindern,
entschied man sich für die Verwendung von ESG-H. Als
weitere Glasarten werden VSG aus FG, TVG und ESG-H
empfohlen sowie VG aus TVG und ESG-H, wenn sie gem.
DIN EN 12600 die Pendelschlagklasse 2(B)2 erfüllen und
Technische Richtlinie
für Ganzglasanlagen
Die Technische Richtlinie Nr. 6 des Glaserhandwerks beschreibt
die Rahmenparameter für den Bau von Ganzglasanlagen. Neben
den baulichen Möglichkeiten, wird in dem Hilfsmittel für Planer und
Ausführende auch die baurechtliche Situation betrachtet.
Mit der Einführung der
DIN 18008 wurde die
Ausnahmeregelung für
Ganzglasanlagen, deren
Oberkanten die Vier-
Meter-Marke nicht
überschreiten, ersatzlos
gestrichen.
Foto: © Wolter